DIE ÜBERLEBENSKÜNSTLERIN

In diesem Eintrag ist nicht die Rede von einer Dame, die irgendwo in einem fremden Land um ihr Überleben gekämpft hat und es ist auch nicht die Rede von mir, sondern es geht um eine besondere Bewohnerin unserer 4er-Mädels WG in Bamberg und somit kommt wie bereits angekündigt endlich eine Story aus meinem WG-Leben.

Ich kenne die Überlebenskünstlerin seit dem 1. Oktober 2012. Sie braucht weder Wasser, noch Licht bzw. sie kommt sehr lange ohne beides aus!

Einsam und verloren stand sie als ich einzog oben auf einem Küchenregal. Sie sah kaum die Sonne und wurde von Müslipackungen bedrängt. Luft zum Atmen hatte sie genug in dem großen Raum, doch Wasser gab ihr niemand von uns. Oft hatte ich Mitleid mit ihr, doch da sie auf dem höchsten Regal unserer provisorischen „Vorratskammer“ stand, war es für so eine kleine Person wie mich äußerst schwierig ihr Wasser zukommen zu lassen…

Sie ist übrigens eine Pflanze (Ich weiß leider den Namen nicht. Kann mir da jemand helfen?) und vegitierte nur vor sich hin… Woche für Woche, Monat für Monat. Da sie niemanden zu gehören schien, fühlte sich auch niemand von uns vieren dazu verfplichtet sie zu gießen. Seltsamerweise war ihre Farbe dennoch gesund und kräftig, ab und zu verlor sie mal ein Blatt, aber sonst schien sie sich pudelwohl zu fühlen. Eine wahre Überlebenskünstlerin eben!

Nach den Weihnachtsferien hat Nina schließlich das Vorratsregal umgeräumt und ihr einen neuen Platz geschenkt und zwar oben auf unseren Hängeschränken über dem Waschbecken (mehr Licht, aber immer noch kein Wasser). Einige der Stängel wurden hellgrün, gelb und starben ab. Mitte dieser Woche konnte ich dieses Elend nicht mehr mit ansehen, schnappte mir einen Stuhl, entfernte die verdorrten Blätter, stellte sie ans Fenster und natürlich gab es auch Wasser für sie.

Da steht sie nun und bekommt zwei neue Triebe.

DSC03767

Ihre Durststrecke ist vorbei und ich hoffe, dass ich sie jetzt nicht zu sehr verwöhne und übergieße! Wahrscheinlich würde sie das auch überleben… Mal schaun wie es mit unserer „Überlebenskünstlerin“ weitergeht.

Werbeanzeigen

ABC 2012 – Untergang oder Neuanfang?

Am 21.12.12 hätte eigentlich die Welt untergehen sollen, aber da ihr das hier lesen könnt, leben doch noch alle. Deswegen überwog dieses Jahr für mich der Neuanfang: drei Umzüge (Weiden – Shanghai, Shanghai – Weiden, Weiden – Bamberg). Doch lest selbst mein kleines zusammenfassendes Jahresrückblick-ABC:

A – wie Auslandsaufenthalt, eine tolle Erfahrung, die jeder junge Mensch machen sollte.

B – wie Bamberg, letztes Jahr noch meine Wunsch-Uni-Stadt und seit Oktober wohne ich hier, in einer der schönsten Städte Deutschlands, auch wenn sie in Franken ist.

C – wie Chinesisch, erst lernte ich es in Shanghai bröckchenweise und nun belege ich an der Uni mit Begeisterung einen Sprachkurs.

D – wie Dolmetscher, hah! Trotz meiner angeblichen, mangelnden Englischkenntnisse habe ich mich 5 Monate in einem komplett fremden Land durchgeschlagen und dort bei meinem Praktikum auch noch als Dolmetscherin fungiert.

E – wie Ersti, „Och, wie süß!“ – Das darf ich nächstes Semester zu den ganzen Neulingen sagen und es jedes Mal in vollen Zügen genießen.

F – wie Freundschaften, ich habe manche verloren, neue gefunden und alte aufgefrischt. Danke, dass es euch gibt!

G – wie Germanistik, mein erstes und geliebtes Hauptfach (+Bachelor-Arbeit)

H – wie Hund oder Frosch oder sontiges Getier, ich hab alles probiert! (Schmeckt echt gut!)

I – wie I-Phone, nach über 6 Jahren musste mein altes Handy endlich dem Fortschritt weichen.

J – wie Ja-Sagen, manchmal muss man einfach etwas riskieren, manchmal muss man spontan sein und etwas Dummes tun. Es macht das Leben lebenswerter.

K – wie Kommunikationswissenschaft, mein zweites, interessantes, aber auch schwieriges Hauptfach.

L – wie Liebe. 

M – wie Maxl, danke dass ich dich am Landeslager kennen lernen durfte, du mir immer Texte schickst und für mich da bist! Und auch im neuen Jahr werde ich dir natürlich beratend zur Seite stehen.

N – wie NC, der mir beinahe mein 2. Fach versaut hätte und den ich glücklicherweise in letzter Sekunde doch noch gepackt habe.

O – wie Oberpfalz, es heißt Oberpfalz und nicht nur „Pfalz“! Und ja, auch gebürtige Oberpfälzerinnen sind des Hochdeutschen ab und zu mächtig.

P – wie Pfadfinder, auch die kamen 2012 nicht zu kurz und ich fuhr mit aufs bayrische Landeslager „Funkenflug 2012“. Es war eine tolle Zeit!

Q – wie Qualle, auch die habe ich bei meinen chinesischen Freunden essen MÜSSEN.

R – wie Rauchbier, typisches Getränk in Bamberg.

S – wie Shanghai, meine neue Traumstadt für zwischendurch, wenn ich Lust auf 23 Mio. Menschen, ganz viel Party und super gutem Essen habe!

T – wie Tibet, über 4000km in 48 Stunden mit dem Zug bishin zu über 5000m Höhe durch das Himalaya-Gebirge zur Hauptstadt Lhasa. Es war eine meiner besten, eindruckvollsten und tollsten Erfahrungen bisher!

U – wie Uni, da bin ich jetzt und ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

V – wie Vermissen, das habe ich dieses Jahr sehr ausgiebig gemacht.

W – wie WG und Mitbewohnerinnen, es ist auf jeden Fall eine Erfahrung und trotz diversen Abwasch- und Putzuneinigkeiten haben wir uns doch alle lieb.

X – wie Xintiandi , das Künstlerviertel in Shanghai und ebenfalls ein sehr besonderer Ort.

Y – wie Yuyuan, mein absoluter Lieblingsort in Shanghai!

Z – wie Zeit, die am Anfang in Shanghai super schnell verging, dann tangierte und gegen Ende hin anzog und jetzt während dem Studium wieder mal sehr knapp ist.

Wie auch letztes Jahr schon, gibt es zum Abschluss ein Resümee:

Es war ein unglaubliches Jahr 2012 und wieder einmal reichen die Buchstaben unseres Alphabets nicht aus, um alles zu erwähnen, was erwähnenswert ist. Wenn es die Zeit erlaubt, werde ich über folgende Dinge nachträglich noch Einträge verfassen:

Familienurlaub auf Mauritius, mein 2. Besuch bei Opa in Italien, Umzug nach Bamberg, Studium (darunter meine WG, Feki.de – studentischer Verein, Prüfungsphase, etc…) und das sind nur ein paar Themen!

Die letzten paar Monate (seit Juni) möchte ich mich am liebsten selbst ohrfeigen, dass ich einzelne Aspekte nicht aufgeschrieben habe und allgemein mein Schreiben vernachlässige. Wenn ich die einzelnen Blogeinträge zurückblättere, vor allem die von Shanghai, kommen so viele Erinnerungen hoch, die ich schon vergessen habe, obwohl das alles erst dieses Jahr passiert ist. Es kommt mir fast so vor, als wäre all das vorm 1.Oktober (der Tag an dem ich nach Bamberg gezogen bin) ein anderes Leben. Das was ich 2012 erlebt habe, war so unglaublich! Ich war auf 3 Kontinenten in einem Jahr, habe Tiere gegessen vor denen sich die meisten ekeln würden, war auf gigantisch hohen Bergen, habe neue Kulturen und Sprachen kennen gelernt und bin ein Stückchen erwachsener, selbstbewusster und wieder lebensfroher geworden!

Wir werden sehen, was 2013 bringen wird! In der nächsten Zeit, falls es Studium und der Geldbeutel erlauben, möchte ich auf jeden Fall wieder Reisen, unteranderem nach: Island, nochmal Shanghai, Neuseeland!!!, Schottland, Irland, Indonesien, ….

Ich wünsche euch tolle Silvesterpartys, einen guten Rutsch und dann am 01.01.2013 einen genialen Start ins neue Jahr! Wir hören uns!

P.S.: Ein riesiges Dankeschön an meine treue Leserschaft! Ihr seid der Wahnsinn. Ich hätte nicht gedacht, dass ich jetzt immer noch so viele Menschen erreichen kann und ich hoffe wir knacken den Rekord vom Februar 2012 im neuen Jahr. 😉

DIE MAGIE VON WEIHNACHTEN

Es ist Dienstag, der 24. Dezember 2002, ich bin 10 Jahre alt und trage meine beste Sonntagskleidung. Schon den ganzen Tag herrschte aufgeregte Stimmung im Haus. Meine Eltern mussten den halben Tag in ihren Geschäften arbeiten und sind mittags endlich fertig und sperren ihre Läden zu. Ich währenddessen lief immer wieder vor den verschlossenen Wohnzimmertüren auf und ab und versuchte doch einen Blick ins innere des Zimmers werfen zu können, dass seit gut einer Woche abgeschlossen war und bei dem Glasscheiben zugehängt worden waren.

Meine Mutter war die Übeltäterin. Immer wieder durfte ich mir anhören, dass das Christkind Ruhe brauchte um den Baum zu schmücken, die Krippe aufzustellen und vielleicht das ein oder andere Geschenk unter den Baum zu legen. Damals glaubte ich ihr auch noch, dass bei all der Arbeit sie, die persönliche Helferin des Christkindes war.

Nachdem ich also ein weiteres Mal vergeblich durch das zugeklebte Schlüsselloch lugte, verlor ich die Geduld und lief hinauf in mein Zimmer um noch einmal die selbstgebastelten Geschenke für meine Familie zu überprüfen. Dieses Jahr gab es kleine Nussschalen in die ich mit großer Sorgfalt Watte, Stoff und kleine Holzkugeln als Köpfchen geklebt hatte. Meine Mutter half mir nur beim aufmalen der Gesichter. Ich war richtig stolz und hoffte inständig, dass das Christkind meinen Wunschzettel, den ich vor zwei Wochen auf das Fensterbrett gelegt hatte auch abegholt hatte und mir diverse Playmobil-Päckchen mitbrachte, wenn ich mir schon so viel Mühe beim Basteln gegeben hatte.

DSC03716

Unten hörte ich plötzlich die Wohnungstür zuschlagen, dann wie sich ein Schlüssel im Schloss drehte und die Wohnzimmertür geöffnet wurde. Im Eiltempo spurtete ich hinunter, doch kaum, dass ich unten angekommen war, drehte mein Vater wieder den Schlüssel im Schloss und unser Weihnachtszimmer war erneut unzugänglich für mich. Er zwinkerte mir zu und meinte, dass ich ja nur noch ein paar Stunden warten müsste…

So war es jedes Jahr! Immer ein ständiges Warten, Hoffen und Bangen.

Der Nachmittag verging schleppend. Ab und zu schaute ich bei meiner Mutter in der Küche vorbei, lief unten durch den mittlerweile dunklen Laden und wartete… Stunde um Stunde, Minute um Minute…

Es war eine Folter, Quälerei und Tortur! Auch wenn ich damals diese Worte noch nicht kannte, hätte ich es wahrscheinlich auch schon so beschrieben. Doch plötzlich ging alles ganz schnell. Meine viel älteren Brüder trudelten langsam ein, Vati bat mich meine Gitarre zu holen und Mutti sagte auch, dass ich meine Geschenke mitbringen sollte. Dann versammelten wir uns alle vor der Wohnzimmertür und plötzlich erklang ein kleiner feiner Glockenton und meine Eltern öffneten die Tür.

Was die anderen darauf machten vergaß ich zu diesem Zeitpunkt meist völlig, weil mich die Magie von Weihnachten völlig in ihren Bann geschlagen hatte. 4 lange Wochen hatte ich auf diesen Moment hingefiebert und nun endlich war er gekommen. Der Duft von Zimt, Orangen und Tannen lag in der Luft und meine freudestrahlenden Augen saugten den Anblick des herrlich geschmückten Baumes auf, der nur so glitzerte und funkelte mit seinen Lichtern, Kugeln, Sternen und anderen Anhängern. Darunter stand die geschnitzte Krippe mit Jesuskind, Maria, Josef, Hirten und ganz viele Schafen, weiter entfernt kamen langsam die Heiligen drei Könige mit ihren Kamelen angeritte. Es war ein Bild wie in einem Traum und abgerundet wurde das ganze nur noch von den kleinen Päcken in grünem Papier, die sicher für mich gedacht waren.

Im Hintergrund setzte leise Weihnachtsmusik ein.

Jetzt, wo ich den Weihnachtsbaum erblickt hatte, wurde ich ruhiger und wir gingen zum traditionellen Teil über. Alle setzten sich, Geschichten wurden vorgelesen, ich spielte einige Weihnachtslieder auf der Gitarre und der Höhepunkt war schließlich das Lesen der Weihnachtsgeschichte, das wie jedes Jahr meine Mutter übernahm. Danach folgte die Bescherung…

Anschließend fuhren wir zu meiner Großmutter, wo es dann das Essen gab und noch einmal die Aufregung stieg, weil auch der Weihnachtsbaum dort eine Überraschung war und bis kurz vor der dortigen Bescherung auch niemand ins Zimmer durfte.

In einigen Jahren hielten wir den traditionellen Teil und die eigentliche Bescherung auch bei meiner Großmutter ab oder sogar an beiden Orten. Die Weihnachtsfeiertage verbrachten wir dann mal bei uns, dann wieder bei meiner Oma, oder meinem Onkel… jedenfalls war es immer wieder ein magischer Moment für mich, wenn sich die Türen öffneten und ich zum ersten Mal den Christbaum, die Krippe und das festlich geschmückte Zimmer erblickte!

Nun 10 Jahre später am 24. Dezember 2012 läuft das ganze anders ab… Meine Brüder haben mittlerweile ihre eigenen Familien mit denen sie feiern, dafür besuchen sie uns am 1. Weihnachtsfeiertag. Wir sind umgezogen und unser jetztiges Wohnzimmer ist das Verbindungszimmer zu meinem Zimmer (d.h. es kann nicht mehr abgeschlossen werden). Außerdem bin ich jetzt alt genug um meiner Mutter bei den Weihnachtsvorbereitungen zu helfen, mit ihr den Baum zu schmücken und die weitere Deko herzurichten. Des weiteren helfe ich auch im Geschäft bei ihr aus um sie zu entlasten. Das gespannte Warten von damals hat sich in puren Stress verwandelt. Anstatt die Geschenke noch einmal zu überprüfen werden sie erst heute verpackt und ins Auto getragen. Einzige Gemeinsamkeit zu damals, sie sind immer noch selbstgemacht!

Auch gab es dieses Mal im Vorfeld (einen Tag vor Heilig Abend) ganz zuhause nur mit meinen Eltern eine kleine Bescherung und erst am 24. Dezember abends fuhren wir zu meiner Großmutter. Die Magie von damals scheint verpufft… Sie ist der Normalität gewichen und hat einfach an Besonderheit verloren. Erst beim gemeinsamen Singen von „Stille Nacht, heilige Nacht“ entzündet sich ein kleiner Funken Weihnachtszauber in meinem Herzen und ich denke an damals… Werde an meine leuchtenden Kinderaugen erinnert und denke mir, dass es genau diese Traditionen sind, die diese Weihnachtsmagie von damals wieder hervorzaubern. Ich bin nun eben älter geworden und es ist nun Zeit, dass ich die Helferin des Christkindes werde. Im Moment bin ich es für meinen Neffen, in einigen Jahren werde ich es für meine Kinder sein und so weiter… ein ewiger Kreislauf um die Magie von Weihnachten zu erhalten!

Frohe Weihnachten allerseits!

DSC03735

WIR BEIDE

Dieser, mein 100. Blogeintrag ist zwei Themen gewidmet: Meiner besten Freundin und der Brieffreundschaft.

Du und ich - wir beide

Herzen in der Nacht

Mir ist gestern etwas schockierendes aufgefallen. Ich musste meine beste Freundin nach ihrer kompletten Anschrift fragen.

Warum das jetzt so schlimm ist? Lest selbst!

Miri und ich lernten uns 2004 in einem Feriencamp des LernTeams kennen und verstanden uns von Anfang an super. Beide waren wir kleiner als die anderen, beide waren wir verrückt, beide waren wir sehr kreativ und beide hatten wir eine Schwäche für Impro-Theater. Man könnte wirklich sagen, dass Sie und ich uns gesucht und gefunden haben. Doch die beiden Feriencampwochen gingen auch irgendwann zuende und wir mussten Abschied nehmen.

Unsere Freundschaft bestand ab diesem Zeitpunkt größtenteils daraus uns ellenlange Briefe zu schreiben. Es war eine (heutzutage altmodisch gewordene) Brieffreundschaft. Anders konnten wir auch damals noch nicht in Kontakt bleiben, sie wohnte in Baden-Württemberg und ich in Bayern. Es gab noch keine Telefon- und Internetflat! Überhaupt liesen uns unsere Eltern eher spärlich an den PC und damals gab es auch noch keine Messenger und sozialen Netzwerke wie heute. (Klar, gab es etwas ähnliches, aber für zwei so junge Mädels wie uns war das undenkbar!)

Also schrieben wir und schrieben wir, nur eben analog…

Anfangs kam jede Woche ein Brief. Dann hatten wir eine Hochphase in der wir unsere Briefe losschickten, bevor die Antwort des anderen überhaupt angekommen war und irgendwann kam dann doch die Telefonflat in unsere Haushalte.

Aus dem regelmäßigen Schriftverkehr waren Telefonate geworden. Anstatt sich hinzusetzen und sich Worte in unserer guten (übrigens auch sehr schönen) deutschen Sprache zu überlegen, quatschten wir nun munter Abend für Abend drauf los. Wir redeten bis spät in die Nacht hinein. Wir begangen nebenher zu Essen, abzuspülen, zu lernen und vieles mehr. Unsere Konversation war nun eher quantitativ. Während wir in den Briefen auf eine ordentliche Sprache geachtet hatten und der Inhalt präzise war, schmückten wir nun jeden Satz unnötig aus. Es entstanden Gesprächspausen und einfach inhaltlose Small-Talk Stellen.

Klar war uns damals noch nicht bewusst, dass unsere Gespräche zunehmend an Qualität verloren hatten, aber in unserem jugendlichen Leichtsinn und unserer Unbefangenheit störten wir uns nicht weiter daran. Für den Moment war es gut und unserer Freundschaft tat es auch keinen Abbruch. So schritt die Zeit fort bis wir abends dank Lernerei nicht mehr so viel Zeit hatten, unsere Stundenpläne nicht mehr miteinander vereinbar waren und wir beide nacheinander umzogen. Die Zeitdauer der Telefonate wurde kleiner und kleiner bis sie irgendwann ganz versiegte. Auch der Briefverkehr, der ab und zu noch stattgefunden hatte, löste sich auf und es war…

STILLE

So eine Stille war noch nie vorgekommen. Doch im nachhinein, viele Jahre später, weiß ich auch den waren Grund für unser verstummen, doch das soll nicht Inhalt dieses Eintrags sein.

Nachdem sich die Wogen geglättet hatten und ich sie wieder erreichen konnte, wurde unser Kontakt wieder stärker. Auch dank Internet (mit dem wir mittlerweile sehr gut vertraut waren) konnten wir nun auch digital miteinander kommunizieren. Doch von einer qualitativen Aufwertung konnte auch hier noch nicht die Rede sein.

Erst während meines Auslandaufenthaltes kehrten wir zum guten, alten geschrieben Wort zurück. Aus zeitlichen Gründen (die chinesische Post ist sehr langsam) entschieden wir uns für E-Mails. Aber nicht irgendwelchen Mails, sondern Mails mit Anhang. Das, was wir früher auf 10 handgeschriebene Seiten gepresst hatten, tippten wir nun eifrig auf fünf Seiten in ein Word-Dokument und lernten uns wieder auf eine ganz besondere, viel persönlichere Art kennen.

Vielleicht waren diese Mails unsere moderne Antwort auf die gute alte Brieffreundschaft.

Und nun will ich auf den Anfang zurückzukommen. Warum ich so schockiert war ihre Anschrift nicht komplett auswendig zu wissen, lag einfach daran, dass wir uns früher einfach so irrsinnig viel an Post geschickt hatten. Sowas kann man doch nicht vergessen, oder?

Naja, genauso wie Miri sich immer noch nicht meine Telefonnummer merken kann, so wenig kann ich mir ihre Hausnummer merken. Zahlen waren noch nie unsere Stärke! 😉

Ich für meinen Teil finde es schade, dass es kaum noch Brieffreundschaften in den jüngeren Generationen gibt. In der vorweihnachtlichen Zeit würde ich mich persönlich mehr über eine nette Weihnachtskarte als über Rechnungen in meinem Briefkasten freuen!

Vor einigen Monaten hatten Miri und ich die Idee einen Roman über Brieffreundschaft zu schreiben, um vielleicht einen Hype auszulösen… ob es klappt, wissen wir nicht. Allerdings hatten WIR BEIDE schon immer interessante Buch-Projekte. Mal schaun wie es damit weitergeht…

Soundtrack zum Text: WIR BEIDE (Juli)

KULTURSCHOCK BAYERN?

Seit zwei Wochen bin ich wieder zurück in der Heimat und finde mich noch nicht wirklich mit meinem Schicksal ab. Kaum, dass ich hier ankam versiegten meine Blogeinträge. Das liegt jedoch nicht daran, dass die letzten zwei Wochen nichts passiert ist (ganz im Gegenteil!), sondern einfach daran, dass mir die Muse zum schreiben fehlt.

Ist dieses Fehlen der Kreativität jetzt dieser berühmt berüchtigte Kulturschock, den man hat, wenn man nach langer Zeit wieder ins spießige Deutschland zurückkehrt oder bin ich nur einfach schreibfaul?

Klären wir dch zuerst einmal den Begriff. Laut Wikipedia wird es so definiert:

Der Begriff Kulturschock bezeichnet den schockartigen Gefühlszustand, in den Menschen verfallen können, wenn sie mit einer fremden Kultur zusammentreffen.

Aha… also einen schockartigen Gefühlszustand hatte ich ehrlich gesagt nicht, als ich mit meiner geliebten bayrischen Küche in Berührung kam bzw. durch die wunderschöne Altstadt von Weiden ging.

DSC00972

Auch überkam mich bei der Landung am Münchner Flughafen um 5 Uhr morgens eher ein Gefühl der Erleichterung als das eines Schocks. Obwohl ich muss zugeben, dass ich dann doch etwas wehmütig zum Flugzeug zurückgesehen habe und es nicht fassen konnte wie schnell diese 5 Monate vorbeigegangen waren. Es war einfach zu Ende, indem ich in China in ein Flugzeug einsteige und 12000 km weiter wieder aussteige. So schnell kann’s gehn!

Nur durch diese „paar“ Kilometer betritt man eine komplett andere Welt. Die Autobahn Richtung Oberpfalz war so wunderbar leer in diesen frühen Morgenstunden und ich sprach endlich wieder durchgehend Deutsch. Wobei, dass stimmt nicht ganz. Vom Flieger Richtung Gepäckband durfte ich einer Chinesin halb englisch, halb chinesisch erklären, wie man diese Handtuchhalter benutzt. Ich glaube diese Dame hat den größeren Kulturschock gleich noch am Flughafen erlebt.

Was für mich genauso erstaunlich wie wunderbar war, war der blau-weiße Himmel über Bayerns Straßen, der heute zwei Wochen später leider von grau überzogen ist. Es ist wirklich wahnsinnig toll weiße Wolken zu sehen und nicht gelbe oder vom Smog ergraute. Auch wenn es hier regnet bekommt man keine roten Punkte auf der Haut, wenn man von einem Regentropfen getroffen wird, sondern es fühlt sich so natürlich an. Gut…ich schwelge in Wetterprognosen. Vielleicht noch eine Sache, die ich aus Shanghai bzgl. des Wetters vermisse ist, dass es immer schön mollig warm war und das den ganzen Tag und oftmals die ganze Nacht hindurch.

Kommen wir nochmal auf den Sprachfaktor zurück. An meinem ersten Montag in einem beliebten Weidener Café zeigten sich die ersten „Integrationsschwierigkeiten“. Nach 5 Monaten durchgängigen, lautstarken Lästereien über diverse Mitmenschen muss ich mich jetzt erst wieder daran gewöhnen, dass mich hier alle verstehen und das kann ab und zu zu peinlichen Situationen führen.

Doch genauso schlimm wie das Verstanden werden ist das Verstehen. Zuerst hatte ich Schwierigkeiten bzw. Denkprobleme, dass ich die Menschen in meiner Umgebung durchgängig verstehe und dann plötzlich realisierte ich, was sie eigentlich redeten.

In Shanghai kann man Gespräche von Nachbartischen einfach abstellen und auf Durchzug schalten, doch hier versteht man jedwede kleine Lappalie und vieles sind wirklich Lappalien! Nichtigkeiten des Spießbürgertums.

Aber wie gesagt nicht alles ist schlecht. Ich kann schließlich wieder schwimmen gehen und befürchten zu müssen mir die Pest eingefangen zu haben, oder ich kann atmen. In so einer hektischen Stadt Shanghai vergisst man gerne einfach mal zu atmen… noch hinzukommt, dass die Luft (wie ebenfalls schon häufiger erwähnt) nicht gerade die Reinste ist.

Zu guter Letzt noch eine andere Sache. Danke an all meine Freunde, Bekannten und Verwandten. Ohne eure Ablenkung würde ich wahrscheinlich ohne meine Ayi, Nr. 57 und all die anderen tollen Leute aus Shanghai durchdrehen, aber glücklicherweise gibt es ja auch das Internet.

Denn falls meine lieben Studierenden mal wieder so gestresst von ihren Klausuren sind, dass sie partout keine Zeit haben, was eigentlich seit Studienbeginn so ist, dann gibt es immer noch die Möglichkeit per Mail mit China in Kontakt zu treten und den neusten Klatsch und Tratsch zu hören. Mein geschriebenes Englisch dürfte dadurch auch wieder besser werden. 😉

JAHRESRÜCKBLICK 2011

A – wie Abitur, das ich dieses Jahr bestanden habe.

B – wie Bamberg, meine Wunsch-Uni.

C – wie die Chance, die mein Bruder bzw. meine Eltern mir ermöglichen.

D – wie Drama, das gibt’s jedes Jahr!

E – wie England, zwei Wochen mit fränkischen Pfadis dort haben mich wirklich geprägt.

F – wie Facebook, trotz vieler Nachteile ist es doch äußerst praktisch, um mit den ganzen Jahrgangs-Leuten, die in Deutschland und der Welt verteilt sind, in Kontakt zu bleiben.

G – wie Groß, das Gegenteil von mir… was mir auch dieses Jahr häufiger gesagt wurde.

H – wie Herrenrunde, die gegründet, aufgelöst und dann wiedererweckt wurde.

I – wie Italien, da war ich dieses Jahr zweimal im Urlaub, einmal Abifahrt und einmal Opa besuchen.

J – wie Jein… meine Entscheidungsfreudigkeit hat teilweise abgenommen.

K – wie Kilos, die mussten dieses Jahr dran glauben. 😛

L – wie Liebe, die immer dann auftaucht, wenn man sie am wenigsten erwartet.

M – wie Miri, die Beste! ❤

N – wie Nix wie weg! Der Countdown läuft, bald geht’s los.

O – wie Opa, den ich dieses Jahr besucht habe und besser kennen lernen durfte.

P – wie Pfadfinder, inoffiziell bin ich jetzt nämlich englische Pfadfinderin. 😉

Q – wie die Qual der Wahl, IPhone oder kein IPhone? Das muss wohl auf 2012 verschoben werden.

R – wie Radio Ramasuri, wo ich zwei Monate lang ein super Praktikum gemacht hab.

S – wie Shanghai. Da gehts bald hin.

T – wie Technik, manchmal funktioniert sie, manchmal nicht. Aber dank meinem Mac, klappt’s zurzeit besser.

U – wie Urlaub, den hab ich dieses Jahr ausgiebig gemacht.

V – wie Vertrauen, das erst aufgebaut werden muss, was manchmal schwierig ist, wenn man von jemanden vorher verarscht wurde.

W – wie Weihnachtsgeschäft, das hat mich dieses Jahr ziemlich auf Trapp gehalten im Laden meiner Mum.

X – wie x-beliebig viele Begriffe würden mir noch zu einzelnen Buchstaben einfallen, außer zu diesem hier. (z.B. Familie, Vermissen, Auto, Krümel, Macbook,….)

Y – wie Yeah! Es gab echt super tolle Partys dieses Jahr.

Z – wie Zeit, die immer zu knapp ist.

Und am Ende noch ein paar Worte:

Danke für ein tolles Jahr 2011, trotz einiger Niederschläge haben die Positiven Ereignisse überwogen. Ich durfte Altbekannte besser und neue Menschen neu kennen lernen, hab coole Erfahrungen in fremden Ländern und anderen Arbeitsbereichen gemacht und hab mein Abi geschafft!!!!! Deswegen stoße ich jetzt auf das alte Jahr an und wünsche euch allen einen super Start ins Jahr 2012, viel Gesundheit und hoffentlich wird es noch besser, als das Letzte! :-*